Ablauf Schritt für Schritt

Der Ablauf beim Cannabis-Rezept umfasst sieben Schritte: Information, ärztliches Gespräch, fachliche Bewertung, Entscheidung über Rezeptart und Kostenträger, gegebenenfalls Genehmigung der Krankenkasse, Rezeptausstellung und Einlösung in der Apotheke. Danach folgt die ärztliche Verlaufskontrolle. Wie lange es dauert, hängt von Prüfung, Rezeptart und Kasse ab.

Redaktion · fachliche Prüfung ausstehendStand 19.10.2026Rechtsstand 19.10.2026
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Inhaltsverzeichnis
  1. Wie läuft ein Cannabis-Rezept ab? Die sieben Schritte im Überblick
  2. Wer entscheidet was im Ablauf?
  3. Wann ist eine Genehmigung der Krankenkasse nötig, und wie läuft der Antrag?
  4. Wie lange dauert es bis zum Cannabis-Rezept?
  5. Wie läuft der Ablauf bei einem Privatrezept?
  6. Was gilt bei Palliativversorgung?
  7. Wie läuft die Verlaufskontrolle?
  8. Welche typischen Verzögerungen gibt es?
  9. Was tun, wenn die Krankenkasse ablehnt?
  10. Was gilt für Bestandspatienten, die bisher Blüten auf Kassenrezept erhielten?
  11. Was ist mit dem Ablauf online?
  12. Häufige Fragen
  13. Quellen und Dokumente

Das Wichtigste in Kürze

  • Die medizinische Entscheidung trifft allein die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt; die Kasse entscheidet nur über die Kosten.
  • Bei Kassenleistungen: Entscheidung der Krankenkasse in der Regel binnen zwei Wochen, mit Gutachten des Medizinischen Dienstes binnen vier Wochen.
  • Rezept: Belieferung zulasten der Kasse längstens 28 Tage nach Ausstellung; eingelöst wird in der Apotheke.
  • Nach dem Start folgen Verlaufskontrollen; nach Angaben des BfArM endet ein Teil der Therapien früh, meist wegen unzureichender Wirkung.

Wie läuft ein Cannabis-Rezept ab? Die sieben Schritte im Überblick

  1. Information: Sie informieren sich über Voraussetzungen, Risiken und Kosten, zum Beispiel unter Voraussetzungen für ein Cannabis-Rezept.
  2. Ärztliches Gespräch: Anamnese, bisherige Therapien, Medikamente und Ihre Situation werden besprochen. Tipps: Das ärztliche Gespräch.
  3. Fachliche Bewertung: Die Ärztin oder der Arzt prüft, ob eine Cannabis-Therapie vertretbar ist und welche Zubereitung infrage kommt.
  4. Entscheidung über Rezeptart und Kosten: Kassenrezept (soweit ein Anspruch besteht) oder Privatrezept; bei Kassenleistungen klärt die Praxis, ob eine Genehmigung nötig ist.
  5. Genehmigung der Krankenkasse (falls nötig): Den Antrag stellt die Patientin oder der Patient mit ärztlicher Begründung; die Kasse entscheidet schriftlich.
  6. Rezeptausstellung: Die Praxis stellt die Verschreibung aus; was darauf stehen muss, steht auf der Seite zur Verschreibung.
  7. Einlösung und Kontrolle: Das Cannabis wird nur in einer Apotheke gegen Vorlage der Verschreibung abgegeben (§ 3 Abs. 2 MedCanG); danach folgen ärztliche Verlaufskontrollen.

Wer entscheidet was im Ablauf?

Die medizinische Entscheidung trifft ausschließlich die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. Nach dem Bundesgesundheitsministerium bestimmt der Arzt oder die Ärztin, ob eine Behandlung sinnvoll ist; ein Facharztvorbehalt besteht nicht, alle Ärztinnen und Ärzte sind verordnungsbefugt. Die Krankenkasse entscheidet nur, ob sie die Kosten übernimmt, und das nur im Rahmen des § 31 Abs. 6 SGB V. Der Medizinische Dienst bewertet den medizinischen Sachverhalt und gibt eine Empfehlung ab; die Entscheidung über die erste Verordnung trifft die Krankenkasse und teilt sie schriftlich mit (Medizinischer Dienst Bund, Stand April 2024). Apotheken geben verordnete Arzneimittel ab und beraten zur Anwendung. Dieses Portal vermittelt weder Rezepte noch Behandlungen.

Wann ist eine Genehmigung der Krankenkasse nötig, und wie läuft der Antrag?

Nach § 31 Abs. 6 SGB V bedarf die erste Verordnung für gesetzlich Versicherte der Genehmigung der Krankenkasse, die nur in begründeten Ausnahmefällen abgelehnt werden darf und vor Beginn der Leistung zu erteilen ist. Der Genehmigungsvorbehalt entfällt, wenn die Verordnung durch eine vom Gemeinsamen Bundesausschuss bestimmte Fachärztin oder einen bestimmten Facharzt erfolgt; seit dem 17.10.2024 gilt das für Ärztinnen und Ärzte mit einer in Anlage XI der Arzneimittel-Richtlinie genannten Qualifikation (KV Rheinland-Pfalz, KV Bayerns). Dazu zählen laut KV Bayerns unter anderem Allgemeinmedizin, Anästhesiologie, Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Innere Medizin und mehrere Schwerpunkte sowie die Zusatzbezeichnungen Geriatrie, Medikamentöse Tumortherapie, Palliativmedizin, Schlafmedizin und Spezielle Schmerztherapie. Auch diese Ärztinnen und Ärzte können freiwillig eine Genehmigung beantragen, um sich gegen Rückforderungen abzusichern.

Bei einem Antrag ist nach der KV Westfalen-Lippe wichtig: Die Beeinträchtigung muss konkret beschrieben, alle Standardtherapien einschließlich nichtmedikamentöser Verfahren müssen benannt und begründet, und die Evidenz für die Entscheidung muss beigefügt werden. Das Rezept selbst muss dem Antrag nach dem Bundessozialgericht nicht beiliegen, die Angaben zur Verordnung gehören aber hinein; ein standardisierter Arztfragebogen wird empfohlen. Die Krankenkasse kann den Medizinischen Dienst einschalten, muss es aber nicht. Der Medizinische Dienst nennt als Hilfsmittel für die Begutachtung unter anderem Tagebücher von Patientinnen und Patienten mit schweren Schmerzen.

Wie lange dauert es bis zum Cannabis-Rezept?

Eine pauschale Dauer gibt es nicht, aber einzelne Fristen sind gesetzlich oder in Fachinformationen festgelegt. Die folgende Übersicht nennt nur belegte Zeiträume; die ärztliche Prüfung und die Terminvergabe in der Praxis kommen hinzu.

SchrittZeitraumQuelle
Entscheidung der Krankenkasse über den Antrag (Regelfall)innerhalb von zwei Wochen nach Antragseingang§ 31 Abs. 6 SGB V; Medizinischer Dienst Bund
Entscheidung bei Einschaltung des Medizinischen Dienstesinnerhalb von vier Wochen; Stellungnahme des Dienstes innerhalb von zwei Wochen§ 31 Abs. 6 SGB V
Allgemeine ambulante Palliativversorgung oder Therapiebeginn im Anschluss an eine stationäre Behandlunginnerhalb von drei Tagen; bei spezialisierter ambulanter Palliativversorgung (SAPV) entfällt die GenehmigungBundesgesundheitsministerium; Medizinischer Dienst Bund
Erster Therapieversuch bei Neueinstellung (GKV)sechs Monate mit einem zugelassenen Fertigarzneimittel§ 31 Abs. 6 SGB V; KV Bayerns
Belieferung eines Kassenrezeptslängstens 28 Tage nach Ausstellung§ 11 Abs. 4 AM-RL laut PTAheute
Gültigkeit eines Privatrezepts ohne abweichende Angabedrei Monate§ 2 Abs. 5 AMVV
Titration des THC/CBD-Spraysbis zu zwei Wochen bis zur optimalen Dosis; Überprüfung des Ansprechens nach vier WochenFachinformation, Stand April 2026

Wie läuft der Ablauf bei einem Privatrezept?

Beim Privatrezept entfällt der Antrag bei der Krankenkasse, und die Kriterien des § 31 Abs. 6 SGB V sind nicht Voraussetzung; die ärztliche Prüfung, Aufklärung und Dokumentation bleiben aber bestehen. Sie zahlen die Kosten selbst. Seit dem 30.07.2026 gilt das für Cannabisblüten zwingend: Sie sind nicht mehr zulasten der GKV verordnungsfähig, und auch bereits erteilte Genehmigungen für Blüten verlieren nach der KV Bayerns ihre Gültigkeit. Weiterverordnung ist laut KV Baden-Württemberg nur noch auf Privatrezept möglich. Hinweise zu den Kosten stehen unter Privatrezept und Kosten; zur GKV siehe Übernahme durch die GKV.

Was gilt bei Palliativversorgung?

Für schwerstkranke Menschen in palliativer Versorgung gelten kürzere Wege. Nach dem Bundesgesundheitsministerium entfällt die Genehmigung bei spezialisierter ambulanter Palliativversorgung (SAPV), damit die Hilfe schnell kommt. Bei allgemeiner ambulanter Palliativversorgung oder bei Therapiebeginn während eines stationären Aufenthalts bleibt die Genehmigung nötig, die Prüffrist der Krankenkasse beträgt aber nur drei Tage. Das gilt für Kassenleistungen; die Voraussetzungen und die Verordnungsfähigkeit der einzelnen Zubereitungen bleiben unberührt.

Wie läuft die Verlaufskontrolle?

Wirkung und Verträglichkeit werden ärztlich begleitet. Die Therapie wird angepasst, fortgesetzt oder beendet. Die Fachinformation des THC/CBD-Sprays sieht vor, das Ansprechen nach vier Wochen zu überprüfen und die Behandlung zu beenden, wenn keine klinisch erhebliche Verbesserung eintritt; der Nutzen einer Langzeitbehandlung soll in regelmäßigen Abständen neu bewertet werden. Bei Änderung der Dosierung oder einem Wechsel zwischen Extrakten in standardisierter Qualität ist nach der KV Bayerns keine erneute Genehmigung nötig, beim Wechsel des Cannabisarzneimittels, etwa von Dronabinol zu Extrakt, dagegen schon.

Der BfArM-Abschlussbericht (06.07.2022) zeigt, dass ein Teil der Therapien früh endet: Bei etwa einem Drittel der Fälle wurde die Therapie vor Ablauf eines Jahres abgebrochen, überwiegend wegen fehlender Wirkung (38,5 %), in 25,9 % wegen Nebenwirkungen und in 20,2 % wegen des Versterbens der Patientin oder des Patienten. In ungefähr 60 % der Abbrüche geschah das innerhalb der ersten drei Monate. Das spricht dafür, früh einen Kontrolltermin zu vereinbaren und ein Symptomtagebuch zu führen. Wie das aussieht, erklärt Cannabis-Therapie.

Welche typischen Verzögerungen gibt es?

  • Fehlende Befunde oder unvollständige Medikamentenlisten verlängern die ärztliche Prüfung.
  • Bei Kassenleistungen kann ein Antrag nötig sein; reicht die Begründung nicht aus, folgen Rückfragen oder eine Ablehnung, gegen die Sie Widerspruch einlegen können.
  • Nicht jede Apotheke führt Medizinalcannabis, und nicht jedes Produkt ist sofort lieferbar; eine Bestellung kann einige Tage dauern, und die 28 Tage des Kassenrezepts laufen weiter.
  • Formfehler auf dem Rezept (etwa fehlende Gebrauchsanweisung bei Rezepturen oder mehrere Blütensorten auf einem Kassenrezept) führen zu Rückfragen der Apotheke.
  • Bei Neueinstellungen verlängert der sechsmonatige Therapieversuch mit einem zugelassenen Fertigarzneimittel den Weg zu Extrakt oder Dronabinol; die KBV erwartet hierzu eine Klarstellung des Bundesgesundheitsministeriums (Stand 20.08.2026).

Was tun, wenn die Krankenkasse ablehnt?

Eine Ablehnung ist nicht das Ende: Es gibt den Widerspruch, und die ärztliche Begründung kann ergänzt werden. Nach der KV Bayerns darf die Erstgenehmigung nur in begründeten Ausnahmefällen versagt werden, und die Krankenkasse ist dafür darlegungs- und beweispflichtig. Wie das aussieht, steht unter Ablehnung und Widerspruch. Für Cannabisblüten ist seit dem 30.07.2026 allerdings kein Kassenrezept mehr möglich (KV Baden-Württemberg).

Was gilt für Bestandspatienten, die bisher Blüten auf Kassenrezept erhielten?

Für Menschen mit laufender Therapie hat sich der Ablauf seit dem 30.07.2026 geändert. Nach der KV Bayerns müssen Personen, die vor diesem Stichtag eine Therapie mit Cannabisarzneimitteln erhielten, nicht auf ein Fertigarzneimittel umgestellt werden, unabhängig vom bisherigen Präparat und der Dauer; nur die Blüten sind nicht mehr zulasten der GKV verordnungsfähig, und frühere Genehmigungen dafür verlieren ihre Gültigkeit. Nach der KBV können Patientinnen und Patienten, die bereits Blüten erhielten, ohne Therapieversuch auf ein zugelassenes Fertigarzneimittel umgestellt werden. Beim Wechsel von Blüten auf ein anderes Cannabisarzneimittel ist eine erneute Genehmigung nötig, sofern keine vom Genehmigungsvorbehalt befreite Fachgruppe verordnet; der Grund für den Wechsel sollte dokumentiert werden. Wer die Blüten weiter nutzen möchte, kann sie nur noch auf Privatrezept erhalten und trägt die Kosten selbst.

Was ist mit dem Ablauf online?

Ob das ärztliche Gespräch persönlich oder per Video geführt wird, ist rechtlich in Bewegung: Das Bundesgesundheitsministerium nennt für die telemedizinische Verschreibung dieselben berufsrechtlichen Sorgfaltspflichten wie in der Praxis. Ein Gesetzentwurf (BT-Drs. 21/3061) sieht dagegen ein Verbot der rein telemedizinischen Verschreibung von Blüten vor, ist aber kein geltendes Recht; sein Ausgang ließ sich nicht bestätigen. Stand 19.10.2026, siehe Online-Rezept und Telemedizin. Wie die Einlösung abläuft, steht unter Einlösung in der Apotheke.

Häufige Fragen

Quellen und Dokumente